BIM wird zur Pflicht für Bundesbauten

Einleitung

Die Digitalisierung im Bauwesen ist auf dem Vormarsch, auch in Deutschland. Sie wird zukünftig die Zusammenarbeit in Bauprojekten und im Lebenszyklus von Immobilien grundlegend und nachhaltig verändern.

BIM stellt dabei eine kollaborative Arbeitsmethode dar, welche unter Zuhilfenahme von digitalen objektorientierten Bauwerksmodelle das Gebäude über den gesamten Lebenszyklus darstellen kann. Es kann unter Anwendung der BIM-Methode eine erhöhte Arbeitssicherheit, verbesserte Kollaboration, erhöhte Kosten- und Terminsicherheit und folgerichtig eine effizientere Planung geschaffen werden. Zudem stehen die Gebäudeinformationen auch nach der Fertigstellung des Baus zur Verfügung und es können wertvolle Informationen für Sanierungsarbeiten und Betriebsmaßnahmen gewonnen werden. Q: Masterplan BIM für Bundesbauten

Aktueller Stand

Ab Ende 2022 wird die Einführung von BIM auf Level 1 für öffentliche Baumaßnahmen nun zur Verpflichtung. Der „Masterplan BIM für Bundesbauten“ wurde vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und dem Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) im September 2021 herausgegeben. Der Erläuterungsbericht regelt die schrittweise verpflichtende und vollständige Einführung von BIM in alle Lebensphasen des Gebäudes bis 2027.

Zeitschiene, welche die pflichtgemäße Einführung von BIM für Baumaßnahmen des Bundes vorgibt zwischen 2022 und 2027 vorgibt.

Stufenweise geregelte Einführung von BIM in Baumaßnahmen des Bundes. Q: Masterplan BIM für Bundesbauten

Doch was bedeutet das genau?

Heinz-Koelzer

Ansprechpartner openBIMbiotop

Heinz Kölzer

E-Mail: heinz.koelzer@agt-akademie.de

Telefon: 030 761 900 10

Einführung Level 1

Level 1 stellt den verpflichtenden Einstieg in die kollaborative Arbeitsmethode BIM dar. Sie betrifft bereits sämtliche Phasen des Gebäudelebenszyklus und betrifft alle Bauphasen, unabhängig ihrer finanziellen Höhe.

Der Fokus liegt insbesondere auf Bedarfsplanung, Planungsphase sowie Übergabe und Inbetriebnahme des Bauwerks.

Es werden schon in diesem Level alle Projektbeteiligten, inklusive der Maßnahmeträger integriert.

Folgende praktische Anwendungsfälle werden Level 1 zugerechnet und mit verpflichtender Einführung mit der BIM-Methodik bearbeitet.

  • Bestandserfassung und Modellierung
    • Erstellung eines BIM-Modells für ein bestehendes Gebäude/Gelände
  • Bedarfsplanung
    • Anwendung der BIM-Methode in der Projektvorbereitung
    • Digitalisierte Aufstellung der Bedarfsplanung, digitale Umsetzung von Standort- und Beschaffungsvariantenuntersuchung
  • Erstellung haushaltsbegrünender Unterlagen
    • BIM-Methode zur Aufstellung von haushaltsbegrünenden Unterlagen
    • Modellbasierte Untersuchung von Planungsvarianten, vereinfachte Mengen- und Kostenermittlung, modellbasiertes Vergabeverfahren
  • Visualisierung
    • Förderung der Öffentlichkeit und Projektbeteiligten durch visualisierte Elemente (Bilder, Renderings, Videos, AR/VR, digitale Projekttische)
  • Koordination der Fachwerke
    • Fach- und Teilmodelle der Gewerke werden erstellt und regelmäßig zu einem Koordinierungsmodell zusammengeführt
  • Qualitäts- und Fortschrittskontrolle der Planung
    • Regelmäßiger Abgleich der Teil- und Koordinierungsmodelle an den Planungsfortschritt
    • Automatische Überprüfung Auf Kollisionen
  • Ableitung von Planunterlagen
    • Erstellung von 2D-Plänen aus BIM-Modellen
  • Inbetriebnahmemanagement
    • Digitale und modellbasierte Unterstützung der Aufgaben des Inbetriebnahmemanagements
    • Fokus: Technische Gebäudeausstattung
  • Bauwerksdokumentation
    • Erstellung eines As-Built-Modells als Ergänzung zum As-Planned-Modells zur Übergabe an den Betrieb

Zudem definiert Level 1 bereits eine Zusammenarbeit der Gewerke über eine gemeinsame Datenumgebung (CDE) nach DIN EN ISO 19650. Es werden bundesbauspezifische BIM-Rollen in der Bauverwaltung festgelegt. Außerdem muss der Bauherr Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) erstellen. Auftragnehmer konkretisieren diesen in einem BIM-Abwicklungsplan (BAP).

Q: Masterplan BIM für Bundesbauten

Einführung Level 2

Level 2 wird für große Baumaßnahmen ab 50 Mio. € Mitte des nächsten Jahres eingeführt.

In diesem Level wird wird die BIM-Methode auf die Phasen der Ausschreibung, Vergabe sowie der Bauausführung ausgeweitet.

Der Fokus liegt auf der Nachverfolgung von Baufortschritt, Änderungen, Nachträgen und auftretenden Mängeln.

Als Anwendungsfälle des zweiten Levels sind folgende zu nennen:

  • Mengen- und Kostenermittlung
    • Regelbasierte Ableitung von Mengen und Kosten aus den BIM-Modellen
  • Leistungsverzeichnis (LV)
    • Ableitung von LV-Positionen anhand der ermittelten Mengen und verknüpfter Vorgänge, bestehender LV-Positionen und Teilleistungen
  • Baufortschrittskontrolle und Qualitätsprüfung
    • Regelmäßiger Abgleich von Soll-Zustand aus As-Planned-Modellen und Ist-Zustand der Baustelle
    • Abweichungen von Zeitplänen und qualitativen Vorgaben werden mithilfe der Modelle erfasst, dargestellt und dokumentiert
  • Änderungs- und Nachtragsmanagement
    • BIM-Modelle werden genutzt, um Planungsänderungen und Nachtragsforderungen aufzunehmen
    • Desweiteren wird geprüft, ob geforderte Nachträge eingebracht wurden
  • Abnahme- und Mängelmanagement
    • Nutzung von BIM-Modellen zur Erfassung, Darstellung und Dokumentation von Mängeln und deren Behebung
    • Ebenso kann die Gewährleistung von Bauleistungen dokumentiert und nachverfolgt werden

Q: Masterplan BIM für Bundesbauten

Einführung Level 3

In Level 3 werden weitere Prozessschritte, welche zu Medienbrüchen führen können, digitalisiert. Level 3 wird für große Baumaßnahmen ab 50 Mio. € ab Mitte 2025 und für kleinere Maßnahmen ab 2027 für Bundesbauten zur Pflicht.

Der Fokus liegt auf modellbasierten Termin- und Logistikplanungen sowie Genehmigungs- und Abrechnungsprozessen. Relevante Daten, Informationen und Planunterlagen werden aus dem BIM-Modell abgeleitet und weiterverwendet. Bemessungen und Nachweisführungen für Fachplanungen zählen ebenfalls dazu.

Folgende Anwendungsfälle werden eingeführt und sind zu nennen:

  • Bemessung und Nachweisführung
    • Durchführung / Darstellung von Nachweis- und Bemessungsverfahren bzw. Simulationen aus Basis von BIM-Modellen
    • B. Arbeits- und Brandschutzverfahren, statische Bemessung, Nachweis von Planungsanforderungen des Bundesbau
  • Genehmigungsprozess
    • Prüfung von Bauunterlagen, Erteilung von Genehmigungen (baurechtlich, baufachlich) BIM-Modelle und abgeleitete Planungsunterlagen durch BIM-Modelle
    • Wiedergabe aller Prüfergebnisse und Anmerkungen im Modell
  • Terminplanung
    • Erstellung von Terminplänen und Bauablaufsimulationen im BIM-Modell durch Verknüpfung von Modellelementen mit Anforderungen an Vorgänge, Reihenfolgen, Bauzeiten und Termine
  • Logistikplanung
    • Zeitliche Planung und Kommunikation der Baustellenlogistik anhand von BIM-Modellen
    • B. Baustelleneinrichtung, Baustofftransporte, temporäre Baustraßen, Kräne etc.

Q: Masterplan BIM für Bundesbauten

Ausblick

Der „Masterplan BIM für Bundesbauten“ legt den Grundstein für eine verbindliche und umfassende Einführung der BIM-Methode zwischen 2022 bis 2027 für jegliche Baumaßnahmen des Bundes. Dadurch wird der wichtige Impuls in die Baubranche gegeben, dass öffentliche Aufträge in Zukunft nur noch mit BIM-Kenntnissen zu bekommen sind. Dieser Trend wird sich zukünftig auch in privaten Ausschreibungen widerspiegeln.

Es ist demnach eindeutig zu identifizieren, dass die Frage nicht ist, ob BIM zum Standard wird, sondern wann Baubeteiligte ohne Arbeiten nach der BIM-Methode nicht mehr mitwirken können. Der Wandel hat bereits begonnen.

Hinweis

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